Verschenkpapier zu Ostern

Seit Jahrzehnten kaufe ich kein Geschenkpapier mehr. Entweder verwende ich ein Papier aus meiner umfangreichen Sammlung gebrauchter Geschenkverpackungen oder ich mache das Geschenkpapier – viel lieber – selbst. Und weil in jedem Bogen viel Liebe und etwas Zeit steckt, sollten sie eigentlich „Verschenkpapier“ statt „Geschenkpapier“ heißen – denn tatsächlich sind sie oft so schön, dass sich die Bögen selbst schon als Geschenk eignen.

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In meiner „Geschenkpapier-Manufaktur“ kommen alle möglichen und (scheinbar) unmöglichen Papiere aus meinem Riesenvorrat an gebrauchten Verpackungsmaterialien zum Einsatz. Heute brauchte ich einen Bogen, der zu Kleinkind und Ostern passt.

Ich verwendete dafür einen leicht transparenten Bogen weißes Papier – vom Material her irgendwo zwischen Seidenpapier und Einwickelpapier angesiedelt, nicht besonders saugfähig und leicht geknittert. Für die Farbgestaltung nahm ich Wachsmalstifte – in diesem Fall wegen der tollen Farben ganz besondere: „Woodys“ (eine genauere Beschreibung findest du in meiner Werkzeugkiste). Als Technik wählte ich „Frottage“ – dafür fertigte ich mir zunächst ein paar Osterei-Schablonen aus relativ fester aber dünner Pappe an.

Hier bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Arbeitsschritte. Weiter unten findest du dann die ausführliche Anleitung.

Lust auf mehr? Dann schau dir doch die ausführliche Anleitung an. Dafür biete ich dir zwei verschiedene Möglichkeiten: Entweder du lädst sie dir hier direkt als PDF herunter >>
oder du schaust sie dir in besonders hübscher Form (zum Blättern) bei issuu als eMagazine an.

Viel Spaß beim Nachmachen und gutes Gelingen!

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Zufallskunst: Rosenfarbe und Efeublatt

Viele meiner Kunstwerke entstehen mehr zufällig als absichtlich – und das liegt sicher daran, dass ich eigentlich ständig am Experimentieren bin. Neugierde ist meine treibende Kraft und ich probiere alles Mögliche und Unmögliche aus.

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Dieses Bild ist dank mehrerer Zufälle entstanden.

Zufall Nr.1. Ich habe für meine Blüten-Ostereier eine Schachtel mit getrockneten Blütenblättern gesucht (und auch gefunden). Was ich dabei aber außerdem gefunden habe, war für mich überraschend – weil ich mich nämlich gar nicht mehr daran erinnern konnte: Ein Döschen mit selbst gemahlenen und getrockneten Rosenblättern. Dieses war vor mehr als fünf Jahren mit mir in den Harz gezogen und vergessen worden. Nun holte ich es aus der Versenkung – und experimentierte.

Malen mit Rosenblättern

Zufall Nr. 2. Statt das Osterei mit Blütenblättern zu verzieren, habe ich nun das Rosenpulver mit Vielzweckleim zu einer Paste verrührt und mit einem kleinen Spachtel (Eisstiel) aufgetragen. Weil auf diese Weise die Farbe aber nicht satt genug auf dem Ei landete, habe ich kurzerhand etwas Pulver auf ein Blatt Papier geschüttet und das feuchte klebrige Ei darin gewälzt. Der Effekt: An manchen Stellen blieb das Pulver recht dick kleben, an anderen Stellen nur sehr zart. Was mir sehr gut gefiel. Und zufällig (Zufall Nr. 3) hatte das Ei nach dem Lackieren und Trocknen exakt die gleiche Farbe wie die Grundfarbe in meinem Wohnzimmer. Damit war dann auch klar, wo es vorübergehend wohnen darf.

Zufall Nr. 4. Den Rest der angerührten Farbpaste verdünnte ich mit etwas Wasser. Ich schnappte mir ein Stück Papier von meinem Schmierpapierhaufen und pinselte einfach drauflos. Seltsam: Sobald die Farbe auf dem Papier war, verwandelte sich der Farbton in ein schönes Blau.

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Durch das großzügige Hantieren mit dem Rosenpulver passten meine Hände nun übrigens farblich hervorragend zum Osterei. Also rief ich Wasser und Seife zu Hilfe. Die Farbe löste sich von den Fingern und lief – oh Wunder – als blaue(!) Brühe ins Waschbecken. Da erinnerte ich mich schlagartig an meine Experimente mit Naturfarben (die Jahre zurückliegen). Ich wusste, dass sich die Farben verändern – je nachdem, ob ich sie mit eher sauren oder eher alkalischen Materialien zusammenbrachte.  Also muss das Papier wohl alkalisch (säurefrei) gewesen sein, denn auch Seife ist ja alkalisch.

Und dann holte ich die Flasche Essig aus dem Schrank.

Ich mischte etwas Rosenpulver mit Essig und bekam eine wunderbar weinrote Farbe. Weil ich nun aber nicht wusste, wohin damit, habe ich sie auf der blauen Farbe auf dem Schmierpapier verteilt. Das Papier habe ich dann erstmal zum Trocknen beiseite gelegt und anschließend die losen Rosenblattpartikel abgebürstet. Ich war sicher, dass ich irgendwann irgendwas mit dem Gemalten anfangen würde.

Frottage mit Efeu

Zufall Nr. 5. Nachdem ich das Rosenpulver wieder zurück in den Schrank gestellt und meine Arbeitsfläche gesäubert hatte, fiel mein Blick auf einen dicken Bücherstapel – und mir fiel ein, dass ich darunter ja vor einiger Zeit ein hübsches Efeublatt zum Trocknen und Pressen versteckt hatte.  Ich war mir relativ sicher, dass es inzwischen „fertig“ sein müsste. Recht gehabt. Und ich war sehr angetan von der Schönheit des Blattes, insbesondere von den Blattadern, die sich leicht vom Blatt abhoben.

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Und weil ich ja – wie gesagt – sehr neugierig bin, wollte ich sofort wissen, wie dieses Blatt wohl aussieht, wenn ich es mit Hilfe eines Buntstifts auf Papier durchreibe (diese Technik heißt übrigens „Frottage“). Gedacht, getan: Ich legte ein Blatt Schmierpapier darüber, nahm einen grünen Buntstift, setzte ihn in einem sehr spitzen Winkel auf das Papier und rieb drauflos (so, wie viele von uns in der Kindheit Geldstücke „kopiert“ haben). Das Ergebnis gefiel mir so gut, dass ich das Blatt gleich ausschnitt. Was ich damit anfangen sollte, wusste ich noch nicht. Ich legte es deshalb auf das rosenblattfarbene Papier in die Schachtel mit meinen gesammelten Experimenten. Nun ja, wie Zufall Nr. 6 es wollte, passten die beiden nach meinem Geschmack farblich hervorragend zusammen.

Also holte ich beides wieder aus der Schachtel heraus, klebte das farbige Papier mit Papierkleber auf ein passend zugeschnittenes Stück Pappe und befestigte dann das Efeublatt darauf (ich verwendete dazu kleine Doppelklebepads, die ein wenig Abstand zum Untergrund halten).

Und nun habe ich ein kleines Bild, mit dem ich nach Lust und Laune dekorieren kann. Und wenn es mir nicht mehr gefällt oder dem nächsten Zufallskunstprojekt weichen muss, kommt es ins Altpapier (ohne Klebepads).

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Porzellan wild bemalt

Im Rahmen meiner Frühlingsdeko habe ich es mal gewagt, neben einfachen ollen Fliesen auch eine niegelnagelneue – aus dem Restbestand eines Porzellanherstellers erworbene – Porzellandose zu bemalen. Es wird nicht meine letzte gewesen sein.

+++ Versprochen: Alle Links zu Produkten oder Händlern in diesem Beitrag sind werbefrei. Das bedeutet: Niemand bezahlt mich oder “schenkt” mir etwas dafür, ich erhalte auch keinerlei Provisionen. Ich gebe sie ganz einfach aus Überzeugung weiter. +++

Mich fasziniert die unendliche Vielfalt an Mustern, die uns die Zentangle®-Künstler/innen dieser Welt bescheren. Scheinbar extrem komplizierte Muster werden so aufgedröselt, dass sie ganz einfach zu zeichnen sind – die unzählbaren Zeichen-Anleitungen in den vielen Büchern zum Thema sind immer gleich aufgebaut und laden direkt zum Nachmachen ein. Eigentlich sind die Muster für das Zeichnen mit einem dünnen schwarzen Stift gedacht (plus Beistift für Schattierungen). Und so sehen sie tatsächlich auch wunderschön aus. Hier ein Beispiel aus meiner Feder im Jahr 2012:

Aber nichts spricht dagegen, die Zeichnungen anschließend zu colorieren, wenn es denn lieber bunt sein soll. Meditieren (wie es das ursprüngliche Ziel von Zentangle® ist) lässt sich beim Porzellan bemalen allerdings nicht so gut, weil der Umgang mit den Porzellanmalstiften ein bisschen schwieriger ist als mit einem einfachen schwarzen Fineliner.

Ich besitze derzeit drei Zentangle®-Bücher, weitere werden bestimmt folgen (allerdings gibt es mittlerweile so viele Bücher dazu auf dem Markt, dass die Auswahl schwer fällt):

Zum Bemalen der Kacheln verwendete ich „Hobbyline PorcelainPen„s . Die Farben sind kräftig und leuchtend, vor dem Malen müssen die Stifte ordentlich geschüttelt und anschließend die Farbe in die Spitze gepumpt werden. Korrekturen sind hier nicht so einfach, aber es kann passieren, dass ältere Linien durch frischere „ausradiert“ werden. Die Hobbyliner müssen vor dem Einbrennen ca. 4 Stunden trocknen.

Für die Malerei auf der Porzellandose habe ich „Edding Porzellan-Pinselstifte“ benutzt. Hier wirken die Farben etwas pastelliger, dafür entfällt das Schütteln und Pumpen. Bei diesen Stiften lassen sich relativ einfach Korrekturen vornehmen, sie haben aber den Nachteil, dass z.B. beim Ausmalen zwischen bereits getrockneten Linien diese wieder angelöst und verwischt werden. Die Farbe braucht nur 15 Minuten zu trocknen, bevor sie im Backofen bei 160°C fixiert wird.

Beide Stifte sind auf Wasserbasis hergestellt, geruchsarm bzw. -frei und nach dem Einbrennen spülmaschinenfest. Es wird jedoch empfohlen, die Farbe nur dort aufzutragen, wo sie nicht mit Lebensmitteln in Kontakt kommt

Künftig werde ich zunächst alle schwarzen Linien zeichnen, diese dann einbrennen und anschließend colorieren (und nochmals einbrennen) – um zu verhindern, dass frische Farben ältere Linien wieder anlösen.

Für diese Art von Malerei braucht man ein bisschen Mut (zu krummen Linien 😉), gute(s) Augen(maß) und eine ruhige Hand. Denn zum Vorzeichnen eignen sich diese Motive nicht – man sucht sich geeignete Motive aus einem Vorlagenbuch und malt dann einfach drauflos. Wichtig: Rechtzeitig vor Ende einer Runde abschätzen, wie groß die Motive sein müssen, um einen nahtlosen Übergang hinzubekommen.

Das Bemalen von Kacheln eignet sich bestens, um sich mit Stiften und Mustern vertraut zu machen. Wer alte billige Kacheln aus Restbeständen verwendet, muss dann auch keine Angst davor haben, ein Exemplar zu verhunzen. Wer die Kacheln als Untersetzer verwenden möchte, sollte zum Schutz von Möbeln und Tischdecke (die meisten Kacheln sind auf der Rückseite etwas kalkig) nach dem Einbrennen noch Filzstückchen auf die Unterseite kleben.

Beim Bemalen einer Dose oder anderen runden Gegenständen sollte die zeichnende Hand abgestützt werden – z.B. auf einem Buch, das in etwa so hoch ist wie die zu bemalende Fläche. Zum Einbrennen Deckel und Unterteil getrennt voneinander in den Backofen legen.